Versuch einer Selbstdarstellung

Gerade im Ausland wird mein Name schnell zur schwer lösbaren Aufgabe für die Münder der Anderen. Ich bekomme neue Namen und werde jedes Mal eine Andere. Alle Begegnungen, die ich erlebe, gehen in mich ein und formen mich – mal mehr, mal weniger – zu der, die ich sein kann.

Was sagen mein Alter, die Abschlüsse und Ausstellungen, die ich gemacht habe und die über meine Reputation Auskunft geben sollen, tatsächlich über mich?

Bin ich die, die du in mir siehst?



©Melissa


Was zeige ich dir von mir

und vor allem wie?



In der Kunst suche ich nach dem kraftvollsten Zugang zu meinem Gegenüber, um durch den Austausch etwas Verbindendes in einander zu entdecken, das diesen Moment überdauern und die Wirklichkeit zwischen uns verändern kann. Ich arrangiere performative Situationen, in denen ich auf die Wahrnehmung meines Gegenübers einwirke und die oder der Andere eingeladen ist ganz da zu sein.



©Astarte Posch

Im ›Grand Beauty Salon‹ arbeite ich mit einem kosmopolitischen Ensemble an den verletzlichen, äußeren Grenzen des Menschen. Dort wo jede/r tagtäglich mit sich selbst über Schönheit und Makel verhandelt und die eigenen Selbstbilder manifest werden. Wer den Verwandlungsraum betritt und sich in meine Hände begibt, der willigt in einen Perspektivenwechsel ein, der das eigene Selbst als auch das des Gegenübers in ein anderes Licht taucht. Ich nehme mir Zeit zuzuhören und nähere mich behutsam dem Menschen, der zu mir gekommen ist. Ich suche nach dem Moment in dem ich mich wirklich mit dem Anderen verbinde, das Gefühl habe zusammen zu klicken. In dieser Praxis sehe ich mich als Bildhauerin der Erscheinung meines Gegenübers, in die auch die Auseinandersetzung mit meinem eigenen Schönheitsempfinden einfließt. Mein Interesse, durch einen ehrlichen Dialog, individuelle Vorstellungen von Schönheit – jenseits des Mainstreams – des jeweils Anderen kennen- und verstehen zu lernen, verfolge ich in jeder Begegnung.

Was hinter einem Spiegel liegt, sieht man in der Regel nicht.

Eine Performance existiert erst dann, wenn sie jemand wahrnimmt.

›The Grand Beauty Salon‹ soll ein Ort der gesellschaftlichen Gleichstellung sein, an dem verschiedene, kulturell geprägte Vorstellungen von Schönheit aufeinander treffen und wir durch das Austauschen intimer Einblicke mehr vom Anderen erfahren können und von uns selbst.